Gerade in dieser Zeit die beste Entscheidung!

Die Kinder konnten in ihren Betreuungsgruppen endlich wieder unter anderen Kindern sein und ich mich mit anderen Müttern austauschen.

Mein Name ist Yasmin W., ich bin 38 Jahre jung und durfte in Begleitung meines Sohnes (8 Jahre) und meiner Tochter (5 Jahre) eine unvergesslich schöne Kur-Zeit in Sellin verbringen.

Mein Alltag war bereits vor Corona geprägt durch Zeitdruck und Stress: Aufstehen, die Kinder versorgen, in die Schule und den Kindergarten bringen und dann zur Arbeit fahren. Dort arbeite ich täglich 5,5 Stunden, ohne Pause, um schnell wieder für die Kinder da sein zu können und möglichst viel Anteil an ihrem Leben zu haben. Schließlich vergeht die Zeit, in der sie so klein sind, uns brauchen und auch Anteil haben lassen schnell.
Die Tatsache, dass ich mir dadurch wenig Zeit und Raum für mich gegeben hatte, war solange ok für mich, bis ich nicht mehr konnte. Ich kämpfte mit Schlaflosigkeit, immer wiederkehrenden Kopfschmerzen, stressbedingten Hautausschlägen sowie Rückenschmerzen. In unserem direkten Umfeld kamen zusätzlich Belastungen durch Depressionen und chronische Erkrankungen hinzu.

Corona stellte dann noch einmal alles auf den Kopf: Mehrere Monate Homeschooling und „Homekindergardening“, parallel zu meiner Präsenzarbeit, führten zu einer erdrückenden Erschöpfung. Die Genehmigung der Kurmaßnahme war für mich das ersehnte Licht am Ende des Tunnels.

Als sich die Corona-Zahlen Anfang des Jahres stark erhöhten, kamen natürlich Zweifel auf, ob es unter den Umständen überhaupt sicher und sinnvoll ist die Kur anzutreten. Ich stand kurz davor, alles abzublasen. Da erhielten wir einen Brief der Klinikleitung, in dem uns mitgeteilt wurde, dass die Hygienemaßnahmen erneut auf den Prüfstand gestellt und optimiert wurden, um zukünftige Kurdurchgänge noch sicherer zu machen. Auch die Maskenpflicht für Kinder ab 3 Jahren und vermehrtes Testen aller in der Klinik befindlichen Personen kamen neu hinzu.

Meine Tochter, die bisher, aufgrund ihres Alters, keine Masken tragen musste, hatte von Anfang an kein Problem damit, zu groß war die Freude auf den Kuraufenthalt.

Ich sprach mit vielen Vertrauten und kam zu dem Schluss, dass wir in der Klinik wahrscheinlich sicherer sein würden, als sonst irgendwo zur Corona-Zeit. Und so war es auch!
Nach Sellin zu fahren - gerade in dieser Zeit - war die beste Entscheidung, die wir treffen konnten.

Wir haben uns in der gesamten Corona-Zeit nicht so frei und sorglos bewegen und an vielen Aktivitäten teilnehmen können wie dort. Durch die Testungen und das ganze Hygienekonzept fühlten wir uns sehr sicher.

Die Kinder konnten in ihren Betreuungsgruppen endlich wieder unter anderen Kindern sein und ich mich mit anderen Müttern austauschen. Es blieb uns auch viel Zeit als Familie ohne den üblichen Alltagsstress.

Meine Tochter tat sich etwas schwer damit, sich an ihrem ersten Tag in ihrer Betreuungsgruppe von mir zu lösen, hatte aber eine sehr empathische Erzieherin, die sie sofort „abholen“ und ins Spiel integrieren konnte. Ganz im Gegensatz zu meinem Sohn, der sich direkt wohlgefühlt und am ersten Tag gleich einen guten Freund gefunden hat, mit dem der Kontakt auch über die Kur hinaus bestehen wird.

Beide Kinder haben viele tolle Sachen in den Gruppen gemacht. Besonders klasse fanden sie das regelmäßige Kneippen und die Ausflüge in den Wald, zum „Rasenden Roland“ oder zum schwarzen See. Auch alle Angebote in den Gruppen waren vielseitig und altersgerecht, die Erzieher*innen immer offen und freundlich.

Somit war mein Weg zur Durchführung meiner Therapien und auch für meine „me-time“ geebnet, denn ich wusste meine Kinder stets gut betreut.

Ich brauchte etwa sechs Tage, um richtig anzukommen. In diesen Tagen hatte ich weiterhin Kopfschmerzen und starke Einschlafschlafprobleme, auch der Schlaf an sich war nur ein leichter, wenig erholsamer. Ab dem siebten Tag verbesserte sich beides schlagartig und hält auch bis heute an.

Der Rahmen meines Therapieplanes wurde von einer sehr freundlichen Ärztin erstellt, die mit mir gemeinsam Schwerpunkte herausarbeitete und ein tolles Verhältnis von Therapien, Zeit für mich und Familienzeit fand. Besonders ansprechend fand ich das BeKo-Training, die Ausdauergymnastik, die Traumreisen, die Massagen und das Nordic Walking.

Auch die Vorträge, die zu verschiedenen Themen angeboten wurden, haben mir viele neue Aspekte aufgezeigt. Besonders ist mir der Vortrag zum Thema „Selbstfürsorge und Achtsamkeit“ im Gedächtnis geblieben.

Außerhalb der Therapie- und Betreuungszeiten gab es durch das Freizeitteam Möglichkeiten, an verschiedenen Aktivitäten (jeweils allein oder als Familie) teilzunehmen.

So hatte mein Sohn beispielsweise seit Monaten wieder einmal die Gelegenheit, Fußball, Tischtennis und Merkball zu spielen. Meine Tochter und ich haben gemeinsam an verschiedenen Bewegungsangeboten teilgenommen.

An dieser Stelle muss ich die „Mal- und Kleckskiste“ erwähnen, deren verschiedene Bastelangebote wir drei gern wahrgenommen haben. Zum Beispiel diverse Figuren aus Pappmaschee mit Acrylfarbe anmalen oder mit selbst zusammengesammelten Naturmaterialien Bilder gestalten.

Zum Schluss möchte ich gern die tolle Verpflegung loben: Drei Wochen lang nicht einkaufen und kochen zu müssen, war für mich ein großes Highlight. Ich hätte allein durch die viele Bewegung (oft hatte ich morgens um 10:00 Uhr schon über 10.000 Schritte auf meiner Uhr) bestimmt ein paar Kilo mehr abnehmen können, aber das Essen war einfach so lecker... :-). Immer abwechslungsreich und für jeden etwas dabei. Auch meine Kinder fanden es super!

Wieder zuhause angekommen, versuche ich viel von der Kraft, die ich durch den Aufenthalt in der Kurklinik Sellin tanken konnte, zu bewahren. Das ist sicher die große Herausforderung, das dort „Erlernte“ in meinen Alltag zu integrieren. Aber ich werde es schaffen!

Ich möchte mich von Herzen bei allen Mitarbeiter*innen der Klinik bedanken, die mir und meinen Kindern in dieser schweren Zeit eine Pause von nahezu allem ermöglicht haben. Die Chance, einfach eine Zeit ohne Druck und Sorgen verbringen zu dürfen, im Jetzt zu leben ohne die ewig kreisenden Gedanken „ich muss noch dieses oder jenes“.

Wir sind unendlich dankbar, dass wir anreisen und so viele wundervolle Erfahrungen sammeln durften.

Bitte bleiben Sie alle wie Sie sind und geben der Klinik weiterhin durch Ihre Persönlichkeiten und Ihre Herzlichkeit eine Seele!

Ich möchte auch an alle zukünftigen Patient*innen appellieren, sich an die Hygieneregeln der Klinik zu halten und damit dafür zu sorgen, dass diese Maßnahmen weiterhin stattfinden können.

Meine Kinder und ich hoffen sehr, dass wir vielleicht in ein paar Jahren noch einmal wiederkommen dürfen.

Ihre Yasmin W. aus Lübeck